Poker um die Pacht der Steinschen Mühle

Im Jahr 1741 kämpfte der Müller Johann Nicolaus Stein (1716-1776), mein 6xUrgroßvater, um seine Mühle in Gerstungen – und damit um die blanke Existenz. Wie an anderer Stelle berichtet, versuchte Herzog Ernst August (1688-1748) den Müller Stein aus jener Mühle hinauszuwerfen, die sein Großvater Stephan Stein (1642-1709) im Jahr 1701 gekauft hatte.

Um im schlimmsten Fall nicht gänzlich ohne Auskommen dazustehen, bot Johann Nicolaus Stein dem Fürsten an, die Mühle zumindest pachten zu wollen, wenn er schon das Eigentum daran verlieren sollte. Das bekam ein Müller aus der Nähe spitz und es entspann sich ein wahrer Poker um die Steinsche Mühle, wie historische Akten aus dem Hauptstaatsarchiv Weimar zeigen1Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509

Das war passiert: Ende September 1741 war zunächst ein Schreiben bei der fürstlichen Verwaltung in Eisenach, der sogenannten Rentkammer, eingegangen, dass „der Müller Johann Niclas Stein zu Gerstungen Ansuchung gethan, ihm die dasige Herrschaftliche Mühle zu verpachten“2Acta Die vom Serenissimo anbefohlne Einziehung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betreffend 1741/2. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Herrschaftliche Güter, Nr. 634, Bl. 5. Was im Folgenden geschah, lässt sich aus Schreiben der Rentkammer an den Fürsten entnehmen, in denen sowohl die Forderungen und Angebote der Müller, als auch die Anmerkungen der Rentkammer dokumentiert sind,

Am 30. September meldete die Rentkammer dem Fürsten, dass der Müller Stein als Pacht 130 Reichstaler geboten hat, „in so fernn gnädigste Herrschaft die Hauptreparaturen zu über nehmen zu denen kleinen aber etwas gewißes an holtz abgeben zu laßen“3Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 9. Neben einer Geldzahlung bot er also an, kleinere Reparaturen selbst zu erledigen, wenn ihm das nötige Bauholz gestellt wird. In einer Randnotiz vermerkt die Rentkammer, dass der Müller „um baldige resolution“4ebd. bitte, schließlich läuft parallel eine vierwöchige Frist, bis zu deren Ablauf er die Mühle räumen soll.

Am 3. Oktober 1741 kam die Rückmeldung der fürstlichen Regierung: „was der Verpachtung halber vorzunehmen sey“5Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 10, bleibe der Rentkammer überlassen. Einige Tage später wird der Müller Stein von der Rentkammer für Montag, den 9. Oktober „zu guter Vormittags Zeit zu erscheinen geschikt einer gewißen anzeige gewärtig zu seyn“6Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 11.

Um was genau es bei dem Termin mit dem Müller Stein ging, bleibt unklar. Gut möglich aber, dass mein Vorfahr darüber informiert wurde, dass er gerade massive Konkurrenz beim Pachten der Mühle bekommen hat. Mit Datum vom 10. Oktober 1741 notierte die Rentkammer, dass sich der Müller Nicolaus Wäsch als Pächter beworben hat.7Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 12 Der sei bereit, alljährlich 400 Gulden oder umgerechnet 266 Reichstaler 16 gute Groschen81 Reichsgulden (Fl.) = ⅔ Reichstaler (Rtl.) = 16 Gute Groschen (ggr.), vgl. etwa Wikipedia oder hagen-bobzin.de Pacht zu geben“9ebd.. Mehr als doppelt so viel, wie der Müller Stein bereit war zu zahlen! Notwendige Reparaturen am Wehr in der Werra müssten aber vom Fürsten gezahlt werden, so der Müller Wäsch, während „er jedoch alle arbeit so mit dem beil verrichtet werden könne, ohn entgeldt thuen wolte“10ebd..

Wer war dieser Nicolaus Wäsch? Er heiratete im Februar 1719 in Untersuhl bei Gerstungen die Anna Elisabeth Klein11Kirchenbuch Unterstuhl 1699-1741, Landeskirchenarchiv Eisenach, KBF, K 1/9c-1, S. 56, stammte aus der Müller-Familie Wäsch in Berka (Werra) und betrieb eine Mühle in Untersuhl.

Im Folgenden hielt die Rentkammer fest, dass der Müller Wäsch die Baukosten „völlig übernehmen“ müsse, jedoch die Baufrohnen der Gerstunger nutzen könne und außerdem einen höheren Pachtbetrag bieten solle, weil der Fürst die Mühle sicherlich nicht für weniger als 300 Reichstaler verpachten werde.12Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 12. Auch eine Kaution würde fällig, so die Rentkammer, und nur wenn sich der Müller Wäsch auf diese Bedingungen einlasse, wolle man dem Fürsten das Angebot unterbreiten. Die Reaktion des Müllers: Mehr als 400 Gulden „könne er nicht geben, wolle aber die Baukosten völlig über nehmen jedoch daß gnädigste Herrschafft das darzu nöthige gehöltz frey abgeben ließe“. Als Kaution biete er zudem die Mühle in Untersuhl an, die sein Eigentum sei.13ebd.

Am gleichen Tag, dem 10. Oktober 1741, setzte der Müller Stein ein Schreiben an die Rentkammer auf, dass doch ihm „die hohe Gnade“ zuteil kommen sollte, ihm die Mühle „in einem billigen Pacht Gnädigst zu über laßen“. Die Situation, in der er sich befindet, fasst er mit dramatischen Worten zusammen: Die Mühle sei von seinen Vorfahren und zuletzt von ihm „erkaufft“ worden (tatsächlich hatte er seine Geschwister auszuzahlen müssen), doch dann durch den Fürsten weggenommen worden. Dadurch habe er „allen meinen Anfang Verlohren mithin nicht weiß wie mich ferner als ein ehrlicher Mann Nehren solle“.

Gleichzeitig versuchte der Müller Stein klarzumachen, dass die Mühle kein besonders einträgliches Geschäft ermöglicht, weil wegen Hochwassers immer wieder der Betrieb ruhen muss – oder wie er es formuliert: dass die Mühle „zum öftern Großen Waßers halber 10. biß 12. und noch mehr Wochen stille stehet“14Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 14b. Trotzdem sei die Mühle das „einzige Mittel wordurch ich mich als ein unterthan ehrlich zu ernehren gedencke“15ebd..

Nur einen Tag später, am 11. Oktober gab die Rentkammer dem Müller Stein schriftlich, welches Angebot eines Konkurrenten (dessen Name wird nicht genannt) im Raum steht: 400 Gulden Pachtgeld und Reparaturen auf seine Kosten, wenn nur das Holz geliefert wird und die Gerstunger den Bau durch Fronarbeit unterstützen. Ob der Müller Stein da mitgehen kann, will die Rentkammer wissen – er solle „sich binnen dato und 4 Tagen schrifftl. anhero zu erklähren ob er auf obige conditiones den Pacht der Mühle zu übernehmen gesonnen“16Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 15.

Doch für den Müller Stein war das zu teuer. Er zog nun alle Register und jammerte in einem Schreiben vom 16. Oktober 1741, wie sehr er auf die Mühle angewiesen ist, obwohl sie so eine unberechenbare Einnahmequelle sei. Sein gesamtes Vermögen und auch das seiner Frau stecke in dem Betrieb, erklärte er, und die Pacht sei der einzige Weg weiterzuleben. Dabei gehe – erstens – zehn, zwölf oder noch mehr Wochen „kein Rad herum“, wenn die Werra Hochwasser führe und zweitens müssten auch bei Niedrigwasser „gar offt und vielmahlen […] alle Mühlgange still stehen“.17Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 16a

Und er listet noch mehr Probleme auf, die das Mühlgeschäft massiv beeinträchtigen: Drittens seien im nahen Hessen als auch viertens im Nachbarort Untersuhl neue Mühlen angelegt worden, die „großen abbruch hiesiger Mühlen thun“. Dass eine dieser neuen Mühlen ausgerechnet dem mitbietenden Müller Wäsch in Untersuhl gehörte, darf man annehmen. Fünftens, so der Müller Stein, seien die Neustädter Bauern eigentlich verpflichtet, bei ihm mahlen zu lassen, aber es werde „dennoch gar vieles zu Wommen und Sallmanshaußen gemahlen“. Deshalb könne er bestenfalls 170 Reichstaler Pacht bezahlen, die Reparaturkosten nicht selbst übernehmen, aber zumindest Getriebe und Kammern selbst instandhalten.18Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 16b

Doch bei der Rentkammer in Eisenach kam das nicht gut an. Am folgenden Tag, den 17. Oktober 1741, protokollierte man dort, dass der Müller Stein mit seinem Angebot vorstellig geworden sei. Man habe ihm aber erklärt, dass es zu gering ist. Schließlich habe bereits jemand 400 Gulden bzw. 266 Reichstaler geboten und sei bereit, die Reparaturkosten zu übernehmen. Daher glaube man nicht, dass sich der Fürst mit dem Gebot des Müller Stein zufriedengebe. Wenn er aber bereit sei, das gleiche wie der Mitbieter zu zahlen, sei der Fürst „in Ansehung seiner Umstände“ sicherlich geneigt, ihm die Mühle zu verpachten.19Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 18a

Was der Müller Stein darauf antwortete, wurde im selben Schriftstück festgehalten: „Ihme seyen die Umstände der Mühlen am besten bekandt und seyn es ohnemögl alljähr 400 Gulden Pacht zu geben und die Baukosten zu übernehmen.“ Die neuen Mühlen in der Gegend setzten dem Geschäft zu und im vorigen Jahr habe er wegen Hochwassers „14 Wochen nacheinander nicht mahlen können“. Und selbst wenn jetzt ein Interessent für die Mühle 400 Gulden bzw. 266 Reichstaler geben wolle, „so würde er in dem ersten Jahren gewiß ein Bettler und würde die Mühle ruiniret stehen laßen“. Deshalb sei das Äußerste, was ein Pächter zahlen könne, 200 Reichstaler jährlich. Und die Baukosten müsste die Rentkammer übernehmen. Der Müller Stein hoffe, dass der Fürst „ihme den Pacht davor in ansehung seiner Unglückl. Umstände laßen würde“.20Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 18b

Was also tun, dürften sich die Mitglieder der Rentkammer gefragt haben. Aus den Schriftsätzen ist durchaus eine gewisse Sympathie oder zumindest ein tiefes Verständnis für die Situation des enteigneten Müllers Stein herauszulesen. Gleichzeitig war den Verwaltern klar, worauf es ihrem Fürsten wirklich ankam: möglichst viel Geld einzusacken. Vielleicht wagte die Rentkammer auch deshalb nicht, eigenständig über die Pachtvergabe zu entscheiden, so wie es ihr anfangs signalisiert worden war. Stattdessen setzte die Rentkammer am 20. Oktober 1741 ein Schreiben an den Fürsten auf, “ob dem ehemaligen besitzer Niclaus Steinen in Betracht seiner jetzigen Umstände die Mühle vor das angebothene quantum a 200 rfl in Pacht geben oder mit Nicolaus Wäschen zu Untersuhl als dem meistbiethenden contrahiret werden soll“.21Acta Die Verpachtung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betrl. 1741. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte Nr. 1509, Blatt 19

Mit diesem Schreiben endet die Akte über das Wettbieten um die Steinsche Mühle. Eine Antwort des Fürsten Ernst August ist nicht enthalten. Doch da die Mühle ab diesem Zeitpunkt noch mehr als 140 Jahre im Besitz der Familie Stein blieb, darf man davon ausgehen, dass der Müller Wäsch trotz seines höheren Gebots im Poker um die Pacht das Nachsehen hatte.

Den kompletten Wortlaut der Akte dokumentiere ich im Folgenden.


1741.
N. 806.
Acta
Die Verpachtung der Steinschen
Mühle zu Gerstungen betrl.


Actum Eisenach,
at. 30 Septtr. 1741.
Bey Fürstl. S. RenthCammer
gab der Müller Johann
Niclas Stein von Gerstungen
zuvernehmen, wie von
Fürstl. S. Regierung ihme
Auflage geschehen sey,
die Herrschaftl. Mühle
daselbst, binnen 4 Wochen
bey vermeydung der Exmis-
sion zu reumen.
Weilen nun sothane Mühle
wohl wurde verpachtet
werden und nicht leer
stehen bleiben würde, so wolle
er bitten, ihme solche
im Pacht zu überlaßen,
offerirte zugleich 130 rt
zum jährl. Pacht-Gelde
in so fernn gnädigste
Herrschaft die Haupt-
reparaturen zu über
nehmen zu denen
kleinen aber etwas
gewißes an holtz
abgeben zu laßen gest
geruhen wolten.
act. int. hepra (?)
Fr. Alr. Lilienheim
verfaser
[Randnotiz] Implorant bittet
um baldige resolution,
damit der Ambtsver-
walther Fischer nach
ablauf deren praefigirten
4 Wochen mit der Execution
nicht verführe. [/Randnotiz]

[Randnotiz] Votum ad Regimen. [/Randnotiz]
Fürstl. Regierung beliebe
aus angeschloßener
registratur zu ersehen,
wie bey der auch Fürstl
RenthCammer der Müller
Johann Niclas Stein
zu Gerstungen An-
suchung gethan, ihme
die dasige Herrschaftl.
Mühle zu verpachten,
und wie derselbe
130 rf. zum jährl. Pacht-
Gelde offeriret; Weilen
nun der Serenissimi
gdst. Intention der
Fürstl. Regierung be-
kandt ist; Als hat man
mit selbigen com-
municiren und
deren Sentiment
darüber frdl. aus-
bitten wollen. Eisenach
d. 30 Septbr. 1741.
H. S. R. C. das.
[Randnotiz] St. eod. nebst der abschrif
beyl. bestellt. [/Randnotiz]

[Randnotiz]G. d 6. te 8br. 1741.[/Randnotiz]
Fürstl. Regierung hat aus dem Voto vom
30te vorigen Monaths ersehen, was Fürstl. Renth
Cammer wegen Verpachtung der Mühle zu Gerstung
an Nicolaus Steinen in communication
gestellet
Nachdem aber Serenissi-
mus der Fürstl. Regierung die räumung ermelter Mühle,
von deren Verpachtung aber nichts gnädigst
befohlen;
Alß wird Fürstl. Cammer,
was der Verpachtung halber vorzunehmen
sey, als ein Camerale freündl. überlaßen.
Datum Eisenach den 3ten Octobr: 1741.
FS. Regierung daselbst.

Krafft dieses wird der Müller
Johann Niclaus Stein Zu
Gerstungen citirt und
erfordert Montags als
d. 9. hujus vor fürstl. S. Renth.
Cammer alhier zu guter Vor-
mittags Zeit zu erscheinen
geschikt einer gewißen
anzeige gewärtig zu seyn,
Wornachp. higl. Eisenach d. 6.
Octobr. 1741
[Randnotiz] den 1. 8.tr durch den
Gerstunger Pachter
bestellt. [/Randnotiz]

Actum Eisenach d. 10. Octobr.
1741
Vor fürstl. S. RenthCammer
alhier erschien der Müller
Niclaus Wäsch von Untern-
suhl und brachte an, was
maßen er diejenige herrshft.
Mühle so Nicolaus Stein
zu Gerstungen in besitz gehabt
zu Pachten gesonnen, und
davor alljährl. 400 Fl. oder
266 rt. 16. ggl. Pacht zu geben
gesonnen, falls alle bis-
herige Nuzung dabey bliebe
und das Wehr auf herrschafftl.
Kosten in Bau unterhalten
würde, wobey er jedoch alle
arbeit so mit dem beil ver-
richtet werden könne, ohn ent-
geldt thuen wolte.
Fs. Cammer.
Die Baukosten müste er
völlig übernehmen, jedoch blie¬
ben die baufrohnen dabey
und würde das erforderte
Gehöltz zum bau und besern
umsonst von gnädigster Herrschaft
abgegeben, auch müste er
sich zu einen höhern Pachtquant
erklähren, indem man davor
hielte, daß Smo. unter 300 rt.
jährl. Pacht, nebst übernahme
[Randnotiz] 16. Octobr.
Fl. Hoff und Cammer Rath
Herres.
S. Camer Rath ??. [/Randnotiz]

der völligen Baukosten die
Mühle nicht in Pacht vergeben
würden, zumalen der diele
Zoll und Zwang schroten
dabey, und würde man
ratione des letzteren ihme
Pachtern affistiren daß keine
Unterschrife geschehen solten,
nicht minder müste Pachter
caution bestellen, wenn er
nun hier zu im Stande und
vorige conditiones zu accep
tiren gesonnen, so wolle
man Smo. hirunter unter
thänigsten Bericht erstatten
und die darauf erfolgende
gnädigste resolution, ihme
sodann bekandt machen.
Flle.
über 400 Rgl. jährl. Pacht könne
er nicht geben, wolle aber
die Baukosten völlig über
nehmen jedoch daß gnädigste
Herrschafft das darzu nöthige
gehöltz frey abgeben ließe, und
die Unterthanen die Baufrohnen
dabey verrichteten. Caution
könne er mit Grundstüken
bestellen, und besitze selbst eine
eigenthüml Mühle zu untern
suhl, daß also gnädigste Herrschafft ratione

des Pachter nicht in gefahr seyn
würde, welches sein unterthänig
stes anerbithen er Smo. un-
terthänigst zu berichten, und
ihme sodann resolution zu
ertheilen, gebethen haben wolte
quibus dimissus von frstl.

[Randnotiz]G. d. 11ten Octobr. 1741.[/Randnotiz]
Hochwohl= Wohl und HochEdel gebohrne
auch hochgelahrte Herrn,
Gnädige, HochgeEhrteste Herrn,
Ew. Hochwohl= wohl und HochEdel gebohrne
Excellenzien, werden ihnen Gnädigst erin=
nern, Welcher gestalt Ihro hoch fürstl. Durchl. unser
aller Gnädigster Hertzog und Landes Vatter
Gnädigst zu befehlen geruhet haben, die Von meinen
Vorfahren, und letzterens von mir erkauffte,
und ehr deßen geweßene Herrschafftl. Mühlen
Wiederum denen Herrschafftl. Gütern zu
incorporiren, Da ich mich dann auch denen
Gnädigst ergangenen Fürstl. befehlen, in allem
auf das Submisseste unterworffen. Da
ich aber in erwegung meiner armen Um=
stände weder Hülff noch Rath weiß, in dem
dardurch allen meinen Anfang Verlohren
mithin nicht weiß wie mich ferner als ein
ehrlicher Mann Nehren solle! So habe dann
in erwegung deßen, bey hoch Fürstl. Hochlöbl.
[Randnotiz]17 Octobr,[/Randnotiz]

RenthCammer unterthänigst bitten wollen,
die hohe Gnade Vor mich zu haben, und
mir obige benante Mühlen, welche ohne=
dem zum öftern Großen Waßers halber
10. biß 12. und noch mehr Wochen stille
stehet, in einem billigen Pacht Gnädigst
zu über laßen, auch deß Pachtpraetij halber
mir Gnädigst zu befehlen, wie etwa Hoch=
Fürstl. Renth Cammer hohe und Gnädigste
Indention seyn möchte, in dem dieses noch
daß einzige Mittel wordurch ich mich als ein
unterthan ehrlich zu ernehren gedencke. wie
ich mich mein Gnädigster erhörung getröste,
als Verharre in tieffester Submission
Ewr Hochwohl=l wohl und HochEdel=
Gebohrne Excellencien
Gerstungen,
d. 10. t 8br.
1741.
unterthanig gehorsamt
Johann Nicolaus Stein

[Randnotiz]An
den Müller Nicolaus Stei=
nen zu Gerstungen. [/Randnotiz]
Nachdeme bey fl. S. Renth
Cammer alhier ein Mühlen
Pachter zu der ehedem dem
Müller Niclaus Steinen
zu Gerstungen zuständigen
Mühlen sich angegeben und
alljährl. 400 Gulden Pacht zu
erlegen anbey alle Repara¬
turen auf seine Kosten
dergestalt zu übernehmen,
sich anerklahret
daß gnädigste Herrschafft
nur das darzu erforderl.
Gehöltz umsonst abgeben
und die Unterthanen
die frohnen darbey verrich¬
ten lasen solle. Als wird
solches obgedl. Niclaus Stei¬
nen zu Gerstungen hierdurch
zu Nachricht vermeldet mit
dem bedeuten sich binnen
dato und 4 Tagen schrifftl. anhero
zu erklähren ob er auf obige
conditiones den Pacht der
Mühle geoftl. zu übernehmen
gesonnen, da mit der deshalb
nöthige Bericht ad Smum unter-
thänigst erstattet, und derselbe
sodann mit endl resolu
tion versehen werden könne.
Wornachp. (?) higl. (?) Eisenach d. 11. 8br
1741.
[Randnotiz] eod. ins Geleit zur be¬
stellung mit Gelegen
heit gegeben [/Randnotiz]

[Randnotiz]G. d. 17 ten Octobr. 1741.[/Randnotiz]
Hochwohl= Wohl und HochEdel gebohrne
auch Hochgelahrte Herrn,
Gnädige, hoch geehrteste Herrn,
Daß Eur. Hochwohl= wohl und HochEdelgebohr-
nen Excellenzien, die hohe gnade vor mich haben
wollen mir gnädigst zu eröffnen, wie nehml.
Pachter sich unterthänigst gemeldet, welcher
von der mir zugestandenen Mühlen Jährl: 400.
Rfl. Pacht geben wolte, auch die Reperaturen
außer dem Höltz und Frohnen über nehmen, davor
sage Unterthänigsten danck. Da mir in meiner
Großen Noth und Elend (: da alles das meine,
wie auch meiner Frauen ihr eingebrachtes in
diese Mühle verstecket, und die Pachtung dieser
Mühlen das eintzige Mittel noch ist da mich
als ein Unterthan zu erwehren getraute, ich
auch gar gern, alle das jedige vergehlden wolte,
was mir zu thun möglich, so sehe ich doch nicht
wie solches Vollbringen köndte, an dem sowohl
erstl. wohl 10. bis 12, und mehr Wochen Groß
Waßer, so daß kein Rad herum gehet, anderns
gar offt und vielmahlen bey Kleiner waßer
aus mangel das Mahlens alle Mühlgange
still stehen, in dem Drittens an der Heßaischen

Grentze ethl Neue Mühlen angeleget worden, wie
Dann auch vierttens kürtzlichen zu Untersuhle
1/2 Stundte vor hier Zwey neüe Schlag Mühlen
welche großen abbruch hiesiger Mühlen thun
angeleget worden, in dem so gar auch fünfftens
biß hero geschehen, daß ohn geachtet Neüstädt ein
Zwang dorff ist welches in hlesiger Mühlen
Mahlen muß dennoch gar vieles zu Wommen
und Sallmans Haußen gemahlen wird.
Derowegen ich dann nochmahlen bey Hoch=
Fürstl. Hochlöbl. Weimarischen und Eisenachischen
Renth Cammer unterthänigst bitten wollen,
die hohe. Gnade vor mich zu haben, und obiger
auch meiner armen Umstände halber, dero
hohes Vorwort bey unsern Durchl. Fürsten und
Herrn als Gnändigsten Landes Vatter Gnädigst
ein zu legen, damit mir benante Mühlen
gegen erlegung 170 Rthlr. Jährlichen Pacht¬
geldes welches alljährl. auf zwey Quartal
abzulegen Verspreche, wenigt 3 Jahre Pacht
Weise (?) möge von gewiesen werden jedoch
daß weder vor Höltz, Kosten, nach Frohnen
stehen dürffte; was aber getrieb und
Kammen anbelanget, so will solche
gar gerne, vor mich verfertigen und ein-
ziehen. Wie ich mich nun als einen

armer Unterthan Gnädigster erhörung
getröste, als werde solche Hohe Gnade jeder¬
zeit, mit unterthänigsten Danck erkennen,
und in tieffester Submission Verharren
Ew. Hochwohl= wohl und HochEdelgebh.
Excellenzien
unterthänig
gehorsambster
Johann Nicolaus Stein
1741.
d 16.ten 8br
Gerstungen

Denen Hochwohl=Wohl und HochEdel ge=
bohrnen, Vesten und Hochgelahrten, Zur
hoch fürstl. Sächsl. Renth Cammer
hoch Verordneten Herrn Præsidenten
Directori und Cammer Räthen.
Meinen gnädig und Hochgeehrtesten Herrn.

Actum Eisenach d. 17ten Octobr.
1741
Nachdeme bey Fl. S. Renth Cam=
mer der Müller Stein zu Ger=
stungen erschienen und sich
ratiore des Mühlen Pachtes auf
die ihme unterm 11. geschene
schrifftl. Auflage, in einem
Memorial erklähret 170 rt
jährl. Pacht ohne die bau Kosten
zu erlegen, als worzu er sich
nicht verstehen könte; So
wurde ihme vorgestellet, daß
dieses Pacht quantum annach
zu gering, und glaubte man
nicht daß ihme Smo den Pacht
davor laßn würden, in dem
bereits ein Müller 400 Gulden alljährl.
Pacht über gebothen und die
bau kosten anbey übernehmen
wolte, er möchte sich also
zu einen mehrern Pacht erklähren
damit Smo ihme in Ansehung
seiner Umstände, etwa in
dem Pacht der Mühle ließen,
die bau Kosten aber, müste er
mit übernehmen, denn
damit wolle man bey Fl. Cammer
nichts zu thuen haben, jedoch würde
das Holtz und derley umsonst abgege-
ben und müßen die Unterthanen
frohnen. Ille
Ihme seyen die Umstände der

Mühlen am besten bekandt
und seyn es ohnemögl alljähr
400 Gulden Pacht zu geben und
die Baukosten zu übernehmen.
den gantzen Sommer wären die
großen Waßer, da dann beyde
Mühl Räder stille stehen blieben
und habe er in vorigen Jahr
alleine 14 Wochen nacheinander
nicht mahlen können, auch
seyen 2. öhl und schlag Mühlen
an die Heßische Grenzen gebauet
welche großen abbruch thäten
wenn auch vorjetzo sich ein Pachter
angebothen und 400 Rfl Pacht
geben wolte, so würde er in dem
ersten Jahren gewiß ein Bettler
und würde die Mühle ruiniret
stehen laßen, das außerste
was ein Pachter geben könte
seyen 200 rt. alljährl. Pacht
worzu er sich auch verstehen
wolte, die baukosten aber müste
Fl. Cammer übernehmen
er verhoffte daß Sen. ihme den
Pacht davor in ansehung seiner
Unglückl. Umstände laßen würde.
Fl. Cammer
Es solte Smo Bericht erstattet
und ihme sodann resolution
ertheilet werden quibus dimissus
[Unterschrift]

Das auf Ew. Hochfürstl. Durchl.
gnädigsten Befehl die ehedem
Herrschafftl. Mühle zu Gerstung
von dem jetzigen Besitzer Ni=
claus Steinen hinwiederum
geräumet werden und selbige zu=
rückfallen soll, desen sind
wir von Fl. Regl. [gestrichen]
[gestrichen] benach=
richtiget worden. Nachdeme
sich nun zum Pacht sothaner
Mühle der ehemalige besitzer
Niclaus Stein gemeldet und
alljährl. 200 rfl. Pacht offeriret
mit denen Bau und reparatur
Kosten aber nichts zu thuen haben
will, wogegen der Müller Niclaus
Wäsch zu Untersuhl 400 Gulden
alljährl. Pacht zu erlegen und
die reparatur Kosten zu über¬
nehmen sich anerklähret,
jedoch daß das darzu erforderl.
Gehöltz umsonst aus der Herrsch.
Waldung abgegeben werde.
Als haben Ew: Hochfürstl. Durchl.
wir solches unterthänigst ein
berichten und dero gnädigste
resolution erwarten sollen
ob dem ehemaligen besitzer Niclaus
[Randnotiz]: den 23. 8tr. durch ei¬
nen Husaren bestellt. [/Randnotiz]

Steinen [Einschub] in Betracht seiner jetzigen Umstände [/Einschub] die Mühle vor das angebothene
quantum a 200 rfl in Pacht geben
oder mit Nicolaus Wäschen
zu Untersuhl [Einschub] als dem meistbiethenden [/Einschub] contrahiret
werden soll, wornach wie uns
unterthänigst zu achten ??
werden in tiefster Submission
verharrend
Ew hochfürstl. duch.
[Unterschrift]
Eisenach d. 20. 8br.
1741.

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