Bauer Bubritzki, die Brille und der Hase

Geschichten aus der eigenen Familie findet man in der Regel bei der jahrelangen Suche nach Vorfahren. Manchmal aber stößt man auch durch einen glücklichen Zufall darauf. So passierte es mir mit einer Erzählung aus meiner Familie mütterlicherseits, den Bubritzkis.

Aus irgendeinem Grund hatte ich bei Google diesen Familiennamen eingetippt und auch den langjährigen Wohnort Sayden in Ostpreußen. Als ich die Suchergebnisse durchsah, stieß ich auf einen Verweis auf ein Buch. Genauer: auf eine Leseprobe aus dem Büchlein „Der Ochse im Schlepiener See – Ein ostpreußisches Geschichtenmosaik“ von Kurt Müller.

In dieser Leseprobe war tatsächlich ein Bubritzki, Bauer in Sayden, erwähnt. Natürlich wollte ich diese Geschichte unbedingt haben. Eine schnelle Online-Suche ergab, dass das Buch nicht mehr lieferbar ist, doch glücklicherweise fand sich bei Amazon ein antiquarisches Exemplar.

Nach einigen Tagen lag das Werk auf meinem Tisch. Ein dünnes grünes Heftchen mit einer Reihe von kurzen Erzählungen, die mal in einer nicht näher bezeichneten ostpreußischen Vergangenheit spielen, mal im heutigen Polen.

Eines der Kapitel trägt die Überschrift „Der stählerne Hase“ und berichtet von „Bubritzki aus Sayden“, der einen Jagdschein besitzt, aber nicht mehr gut sehen kann. Vergeblich hält er nach einem Hasen Ausschau, den er erlegen könnte. Aufgrund seiner Fehlsichtigkeit schießt er schließlich auf ein vermeintliches Langohr, das sich als Pflugschar entpuppt.

Weil Bubritzki mit leeren Händen von der Jagd zurückkehrt, muss am Ende ein Kaninchen aus dem heimischen Stall sein Leben lassen. Er brauche wohl eine neue Brille, stellt Bubritzki abschließend fest.

Wann genau sich diese Anekdote zugetragen haben soll und welcher Bubritzki aus Sayden gemeint ist, bleibt ebenso unklar wie die Quelle der Erzählung.

Beim Betrachten alter Familienfotos, die meinen Großonkel Paul Bubritzki (1900-1956) zeigen, glaube ich aber schon auf der richtigen Spur zu sein. Immerhin trägt Großonkel Paul, der den Bubritzki-Hof bewirtschaftete, eine offenbar recht starke Sehhilfe.

Großonkel Paul Bubritzki (r.) mit seiner Familie im Jahr 1941

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