Was heißt hier neun Prozent Schwede?

Als ich das erste Mal vom sogenannten Abstammungsmix hörte, der sich aus unserer DNA herauslesen lässt, hielt ich das für großen Quatsch. Ich hatte 2008 zum ersten Mal einen DNA-Test machen lassen und war schwer enttäuscht, wie wenig aussagekräftig die Ergebnisse damals waren. Mit meiner Papierforschung stimmten sie nicht annähernd überein.

Inzwischen werben große Unternehmen wie Ancestry und MyHeritage mit Ethnizitätsschätzungen, die einen Eindruck davon vermitteln sollen, wo die eigenen Vorfahren in den vergangenen Jahrhunderten lebten. Dazu werden Bereiche der eigenen DNA mit den DNA-Mustern von Menschen verglichen, deren Ahnen sehr lange in der gleichen Gegend beheimatet waren. Klar, das musste ich ausprobieren.

Los ging‘s 2018 bei Ancestry, das mir zunächst attestierte, dass meine Ahnen zu 48 Prozent aus Osteuropa und Russland sowie zu weiteren 17 Prozent aus den baltischen Staaten stammten. Nur neun Prozent dagegen wurden in Deutschland verortet. Wohl kaum, schließlich kann ich meine Vorfahren auf dem Papier bis ins frühe 17. Jahrhundert in Thüringen nachweisen.

Beeindruckend präzise war jedoch die Zuordnung eines Teils meiner DNA zu einer bestimmten Region im heutigen Polen, dem sogenannten Masowien. Hier lebten laut der Analyse in den vergangenen 100 bis 300 Jahren einige meiner Ahnen – meine Familie mütterlicherseits, die aus Ostpreußen stammt. Auf einer Karte hatte Ancestry dieses Gebiet farbig markiert und der Geburtsort meiner Mutter, meiner Großeltern etc. lag genau darin.

Weniger präzise, dafür aber insgesamt einleuchtender war das Ergebnis, das ich Anfang 2019 von MyHeritage erhielt. Knapp 70 Prozent meiner DNA ordnete der Dienst Nord- und Westeuropa zu, die übrigen gut 30 Prozent liessen mich als Osteuropäer erscheinen.


[Update] Im Oktober 2019 kam Ancestry dann mit einem Update seiner Herkunftsschätzung um die Ecke. Und jetzt lag die Berechnung deutlich näher an dem, was meine Forschung erwarten ließ: 38 Prozent aus dem deutschsprachigen Europa, weitere 30 Prozent aus Osteuropa mit dem bereits bekannten Schwerpunkt in Masowien. Hinzu kommen 23 Prozent aus dem Baltikum und neun Prozent Schweden.

Klar, diese Ergebnisse bringen mich bei meiner Suche nach Ahnen nicht weiter. Aber das Resultat zeigt, dass diese Form der Analyse zumindest einen groben Eindruck von der eigenen Herkunft vermitteln kann. Manche Details sollte man dabei nicht überbewerten – ich sage nur: neun Prozent Schwede.


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