Die Steins und ein Steinbruch bei Oberellen

Die Familie Stein in der Region um Oberellen und Gerstungen hat in den vergangenen Jahrhunderten verschiedene Mühlen betrieben. Erst kürzlich wurde ich jedoch auf einen Stein aufmerksam gemacht, der nicht etwa eine Mühle, sondern einen Steinbruch in der Nähe von Oberellen besaß. Erwähnt wird dieser Jochim Stein im Kirchenbuch von Oberellen, da einer seiner Arbeiter im Jahr 1591 bei einem Unglück ums Leben kam. Wörtlich heißt es in dem Sterbeeintrag des Pfarrers:

Dominica sexagesima h. e. 7. February finita concione terrae mandatus est [nach beendeter Andacht ist der Erde übergeben worden] Jacob Ilgen, von Breittenbach, Erbett [Arbeitet] hier Im steinbruch, als brach herr Jochim stein am Marcksuler Wege, feltt ein geschutt vnd sehr grosse stein uf den Sonnabend den 6 Feb. vf Ihn, drucke Ihm das heuptt und hertz alles breit, das er so baltt ist dott blieben, musten ihn untterm geschutt herfur langen. Deus ipsi propitius sit [Gott sei ihm gnädig].1Kirchenbuch Oberellen 1579-1623, Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland/Eisenach, K 1/21-1, S.450

Bei dem erwähnten Steinbruch des Jochim Stein könnte es sich um die sogenannte Pflasterkaute handeln, die bis heute als Naturdenkmal am Rande der Landstraße zwischen Förtha und Marksuhl erhalten ist. Hier wurde Basalt für das Pflaster in den nahen Ortschaften und der Chaussee gebrochen.2Voigt, Johann Carl Wilhelm: Mineralogische und bergmännische Abhandlungen. Band 2. Leipzig 1789. S.335. Abrufbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10706785?page=340,341 Der Basalt wurde hier aus einer Grube gefördert, die etwa „25 Schritte“ (ein Schritt entspricht zwischen 71 und 75 Zentimetern) in alle Richtungen gemessen hat. Die Grube dürfte also etwa 18 Meter lang, breit und tief gewesen sein. Im Juli 1789 waren hier noch Arbeiter tätig, wie es in einem Bericht heißt. Angesichts der Menge des Basalts, der bereits in der Gegend verbaut worden war, stelle sich aber die Frage, ob „vorzeiten mehrere jetzt wieder zugestürzte Gruben eröfnet gewesen“ sind.3Voigt, Johann Carl Wilhelm: Mineralogische und bergmännische Abhandlungen. Band 2. Leipzig 1789. S.336. Abrufbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10706785?page=342,343 Es ist also zumindest denkbar, dass es um 1591 noch weitere Steinbrüche in der Gegend gab.

Im Jahr 1837 heißt es in einem Bericht über die Pflasterkaute, die Grube sei „wahrscheinlich schon lange verlassen“.4Nöggerath, Jacob: Ausflug nach Böhmen und die Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte in Prag im Jahre 1837: aus dem Leben und der Wissenschaft. Bonn 1838. S.478. Abrufbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10707361?page=514,515 Nach einer „vieljährigen Unterbrechung“ wurde der Abbau in dem Steinbruch in den Jahren 1855 und 1856 „von Neuem in Betrieb gesetzt und aus der Tiefe desselben Strassen-Material gewonnen“.5Credner, Karl Friedrich Heinrich: Über den Dolerit der Pflasterkraute bei Eisenach und über die in demselben vorkommenden Mineralien. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde. Stuttgart 1860. S.56. Abrufbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10283871?page=76,77 Die Wiederbelebung dauerte aber nur kurze Zeit, denn wegen der großen Tiefe des Steinbruchs waren die Arbeiten „so schwierig und kostspielig, dass sie im Jahre 1858 wieder eingestellt wurden.“6Credner, Karl Friedrich Heinrich: Über den Dolerit der Pflasterkraute bei Eisenach und über die in demselben vorkommenden Mineralien. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde. Stuttgart 1860. S.56. Abrufbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10283871?page=76,77 Nochmals 50 Jahre später wird dieser Steinbruch „ganz in der Nähe der Chaussee“ beschrieben als „schon vor langen Zeiten angelegt und gegenwärtig nicht im Gang“.7Sachsen-Weimar-Eisenach, Landtag (Hrsg.): Verhandlungen des … Landtags und der Gebietsvertretung von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ordentlicher Landtag. Protokolle. 1877/78, Theil 1 = 28. Januar 1877 – 22. März 1878 = 21. Weimar 1878. S.60. Abrufbar unter https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb11365820?page=130,131

Wo Jochim Stein, der Betreiber des Steinbruchs, um 1591 lebte, ist bislang nicht bekannt. Im Kirchenbuch des nahegelegenen Marksuhl, das im Jahr 1608 einsetzt, werden keine Steins genannt.8Kirchenbuch Marksuhl a) 1608-1664, Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland/Eisenach, K 1/14-1. Das Kirchenbuch von Förtha enthält Einträge erst ab 1665 und ebenfalls keine Steins.9Kirchenbuch Förtha 1665-1746, Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland/Eisenach, K 1/21a-1

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