Alte Handschrift automatisch übersetzen

Gibt es eine Software, die alte deutsche Handschrift übersetzen kann? Das wird sich schon so mancher Ahnenforscher gefragt haben, insbesondere wenn er noch nicht allzu geübt ist im Entziffern von historischen Dokumenten.

Die kurze Antwort auf die Frage lautet: Nein. Ein Programm, das einem Ahnenforscher das Übertragen eines Kirchenbuch-Eintrags in eine lesbare Schrift abnehmen könnte, existiert nicht. 

In der Diskussion um eine solche Software fällt jedoch gelegentlich der Name Transkribus. Dabei handelt es sich um ein Programm, das ursprünglich an der Universität Innsbruck entwickelt wurde und inzwischen von der Genossenschaft Read-Coop weitergeführt wird. Die Software arbeitet auf Computern mit Windows, MacOS oder Linux, ist leider nicht sehr intuitiv zu bedienen. Ihr Zweck: Transkribus soll – wie der Name schon andeutet – das Transkribieren von Dokumenten erledigen. 

Klingt perfekt für Ahnenforscher, doch hat es leider einen Haken. Transkribus kann erst ans Werk gehen, wenn seine künstliche Intelligenz ausreichend trainiert wurde. Das bedeutet konkret: Das Programm kann erst dann eine Handschrift lesen, wenn es viele fertig transkribierte Beispiele der gleichen Schrift vorgesetzt bekommen hat. Nur dann vermag die Software die besonderen Eigenheiten eines Schreibers wiederzuerkennen.

Die Macher von Transkribus erklären, dass zunächst mindestens 15.000 entzifferte Wörter einer Handschrift nötig sind, um den Trainingsprozess zu starten. Anschließend muss das Ergebnis korrigiert werden, um die künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln.

Es gibt zwar einige fertige Trainings- und Test-Modelle, etwa für Kurrentschrift des 16. bis 18. Jahrhunderts, die man bereits in der Software für eigene Dokumente verwenden kann. Ein paar Probeläufe zeigten aber, dass noch manche Nacharbeiten nötig sind, um ein komplettes Dokument zu transkribieren.

Transkription eines Dokuments von 1676 mit der Software Transkribus

Letztlich muss man ein Dokument also ohnehin noch einmal selbst durcharbeiten, um Fehler der Software zu erkennen und zu beheben. Ein Aufwand, der sich für einzelne Kirchenbuch-Einträge kaum lohnen dürfte. Zumal Transkribus beim Ausprobieren gerade bei kniffligen, schlecht erkennbaren Textstellen ebenso Probleme hatte wie der menschliche Leser.

Während Transkribus für Projekte, bei denen große Mengen historischer Dokumente digitalisiert werden sollen, eine Erleichterung darstellt, gilt für Ahnenforscher weiterhin, dass sie die Texte selbst entziffern müssen. Tipp: Wer mit einzelnen Wörtern partout nicht weiter kommt, kann zum Beispiel in einer Facebook-Gruppe wie „Lesehilfe für alte deutsche Handschriften“ um Hilfe bitten. 


Ein Kommentar

  1. Ich habe mich mit dem Programm ziehmlich intensiv beschäftigt. Bin der Meinung, dass es sich für die Ahnenforschung nur bedingt eignet. Die Bedienung ist sehr. gewöhnungsbedürftige und nicht zeitgemäß. Das Ergebnis war bei meinen Versuchen unbefriedigend. Resümee: Der Zeitaufwand für einzelne Dokumente ist zu groß. Insbesondere im Hinblick auf die unbedingt notwendige Nacharbeit der Transkription. 👎

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