Als der Müller Stein eine Müllerin war

Wenn man durch die Akten aus früheren Jahrhunderten blättert, stellt man fest, dass die Frauen meist nur eine untergeordnete Rolle als Ehefrau und Mutter spielen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts scheint das in der Steinschen Mühle anders gewesen zu sein – den Betrieb führte eine Müllerin.

Ihr Name war Catharina Stein, geborene Busch (1683-1758). Sie hatte 1702 den Müller Johannes Stein geheiratet, da war sie gerade 19 Jahre alt. Sie lebte mit ihrem Mann in der Herrnmühle in Gerstungen, die ihr Schwiegervater Stephan Stein kurz zuvor dem Herzog abgekauft hatte.

Auf dieser Seite des Erbzinsregisters von Gerstungen wird „Joh. Steins Rx“ aufgeführt

Im Jahr darauf brachte sie ihren ersten Sohn zur Welt, Conradt, der nur fünf Jahre alt wurde. Vier Töchter wurden dann geboren und schließlich im Jahr 1716 der Sohn Johann Nicolaus, mein 6xUrgroßvater. Der Junge war gerade neun Jahre alt, als sein Vater 1725 im Alter von 53 Jahren starb.

Nun war es offenbar an Catharina, die Mühle weiter zu führen. Die Einträge in den Gerstunger Erbzinsregistern zeigen, dass Johannes Stein in den Jahren vor seinem Tod mehrere Wiesen und Felder gepachtet hat, um seinen Betrieb zu vergrößern. Catharina verfolgte diesen Weg konsequent weiter und wird ab 1726 mehrfach als neue Pächterin von Wiesen aufgeführt.

1726 wird im Erbzinsregister „Johannes Steins Rx die Müllerin“ erwähnt

Dabei wird sie zunächst noch als Witwe des Johannes Stein bezeichnet („Johannes Stein Rx“)1Ambts Gerstungen Erbzinß und Lehn Register. 1670. Werratalmuseum Gerstungen, ohne Signatur. S. 31 aber schon bald heißt es, dass das Land der „Müllerin Stein zugeschrieben“2Ambts Gerstungen Erbzinß und Lehn Register. 1670. Werratalmuseum Gerstungen, ohne Signatur. S. 199 wurde. Ganz offenbar hatte sie das Sagen in der Herrnmühle und war auch als Geschäftsfrau akzeptiert.

Wann genau Catharinas Sohn Johann Nicolaus die Mühle von ihr übernahm, ist bislang nicht bekannt. Im Jahr 1742 erklärt der damals 26-Jährige jedoch in einem Schreiben, dass er seiner „Mutter gegen 600 Rthlr das Leibgeding“3Acta Die vom Serenissimo anbefohlne Einziehung der Steinschen Mühle zu Gerstungen betreffend 1741/2. LATh – HStA Weimar, Eisenacher Archiv, Herrschaftliche Güter, Nr. 634, Bl. 18 zahlen müsse – also eine Leibrente. Zu jener Zeit war Catharina knapp 60 Jahre alt.

„2/3 ist der Müllerin Steins zugeschrieben d. 13. xbr. 1726“

Als die Müllerin Stein im Jahr 1758 im hohen Alter von 75 Jahren stirbt, hinterlässt sie ihren Sohn Johann Nicolaus und ihre drei Töchter, außerdem insgesamt 27 Enkel und neun Urenkel, wie der Pfarrer im Kirchenbuch4Kirchenbuch Gerstungen. Beerdigungen 1742-1855. LKAE, KBF, K 1/9-8, Kf 1/30. S. 236. notierte.


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